Pressemitteilung 03.04.2025

Todeszahlen von norwegischem Lachs auf neuem Rekordhoch

foodwatch fordert Verkaufstopp von deutschen Supermärkten

 In Norwegen sind noch nie so viele Lachse vor der Schlachtung gestorben wie 2024. Laut neuen Zahlen des Norwegischen Veterinärinstituts sind im vergangenen Jahr insgesamt 103 Millionen Lachse in Zuchtkäfigen verendet – knapp 46 Millionen an Land und 57 Millionen im Meer. Das ist ein Anstieg von drei Millionen toten Tieren gegenüber 2023 (100 Millionen). Hauptursache sind dem Veterinärinstitut zufolge Infektionskrankheiten und Verletzungen. Durch die prekären Haltungsbedingungen in den engen Käfigen sind zudem viele Fische mit Lachläusen befallen, was zu großflächigen Wunden führt. Angesichts der alarmierenden Zahlen forderte foodwatch deutsche Supermärkte auf, keinen Lachs mehr aus Norwegen zu verkaufen. Deutschland ist eines der größten Importländer für Lachs. Jeder zweite Lachs im Supermarktregal stammt aus Norwegen.

„Die norwegische Lachsindustrie präsentiert sich gern als nachhaltig und tierfreundlich – doch in Wahrheit ist sie verantwortlich für ein einzigartiges Massensterben. Abseits unserer gut gefüllten Supermarktregale verenden immer mehr Lachse in Zuchtkäfigen oder sie werden von Läusen zerfressen – die norwegische Lachsproduktion ist eine Katastrophe. Für das massive Tierleid tragen die deutschen Supermarktketten als einer der Hauptabnehmer von norwegischem Lachs eine gehörige Mitverantwortung“, mahnte Annemarie Botzki von foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte mit einer Online-Petition unter www.foodwatch.org/de/mitmachen/keine-faulen-fische-lachsleid-stoppen die vier großen deutschen Supermarkt-Ketten Rewe, Edeka, Aldi und Lidl auf, keine Lachsprodukte mehr aus Norwegen zu vertreiben.

EU will Export-Verbot für verletzte Fische lockern

Statt auf eine Verbesserung der Zustände hinzuwirken, drängt die EU Medienberichten zufolge Norwegens Regierung dazu, sein Export-Verbot für unverarbeiteten, minderwertigen Lachs – so genannten „Produktionsfisch“ aufzuheben. Dieser muss zunächst in Norwegen verarbeitet werden, bis er in die EU geliefert werden darf. Auch der norwegische Branchenriese MOWI, einer der größten Lachsproduzenten weltweit, fordert Ausnahmegenehmigungen für den Export solcher Fische. Mehr als jeder zehnte Lachs in Norwegen hat Verletzungen oder Missbildungen. Die norwegische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat bereits mehrere Fälle aufgedeckt, in denen verletzter Fisch gesetzwidrig exportiert wurde. Nach einem Zwischenfall, bei dem offenbar verendete Fische zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden sollten, warnte die Behörde vor einer „unmittelbaren Gefahr für das Wohlergehen der Fische und die Lebensmittelsicherheit“.

„Die EU entlarvt sich selbst: Sie will billigen Fisch um jeden Preis – egal, was das für die Tiere bedeutet. Anstatt sich für bessere Produktionsbedingungen und strenge Regeln einzusetzen, plädiert sie lieber für den Import verletzter Fische“, erklärte Annemarie Botzki von foodwatch.

Zuletzt sorgte ein Massenausbruch von 27.000 Lachsen aus der Mowi-Zuchtanlage Lerøy für Schlagzeilen. Kein Einzelfall – tatsächlich entkommen immer wieder Zuchtlachse in das offene Meer. Die oftmals genetisch veränderten oder kranken Fische können sich so mit Wildlachs aus dem Atlantik vermengen und diesen damit weiter gefährden.